DSOL-Taktik #1: Das Ziel vor Augen haben

Mit unserer TSG Eisenberg hatten wir keinen guten Start in die am Montag begonnene DSOL, aus den vergebenen Chancen können wir immerhin etwas lernen.

Hambel - Möller nach 25...Dg5-g3

Am dritten Brett hatten beide Spieler im Abtausch-Slawen schon Chancen ausgelassen. Nach 26.Tf1-f3?? (um die Drohung Tb3xe3 zur verhindern) und c4-c3! ist die Partie für Schwarz gewonnen. Christoph hätte in obiger Stellung aber selbst den Sieg einfahren können! 

Im Bericht zum ersten DSOL-Spieltag hatte ich folgenden Tipp gegeben:

Die einzige Möglichkeit den schwarzen Partiezug zu verhindern, ist selbst den Angriff zu suchen. Der schwache schwarze König fordert es geradezu heraus mattgesetzt zu werden. Die stärkere Drohung entscheidet!

Wer das Mattbild vor Augen hat, kommt schneller zum Ziel: 26.Sf4xd5! ist die richtige Lösung! Schauen wir uns ein paar Verteidigungsideen an – die Diagramme werden jeweils durch die fettgedruckte Variante verbunden.

26.Sf4xd5!

Weiß muss den Springer abziehen um dem Turm die Linie öffnen – die schwarze Grundreihe ist schwach und keine der Figuren kann effektiv den Rückwärtsgang einlegen. Da nach der f-Linienräumung der Springer auf g6 hängt, existiert hier nur 26.Sf4xd5! – nach Dg3xg6 gewinnt die Gabel auf e7.

26...Dg3xg6
26...e6xd5

Das Nehmen des anderen Springers 26…e6xd5 besorgt ein schnelles Ende: 27.Tf1-f8+ Kg8-h7 28.h4-h5! und nur ein Damenopfer hilft gegen das Matt auf h8.

28.h4-h5
26...c4-c3

Auch für die Hauptdrohung hat Weiß das dargestellte Mattbild im Ärmel: 26…c4-c3 27.Tf1-f8+ Kg8-h7 28.h4-h5! und Schwarz kann sich wieder auf den Kopf stellen. Gegen Tf8-h8# gibt es nur noch das Damenopfer, wonach Schwarz auch schnell matt geht.

28.h4-h5
26...Tb3xb2

Schwarz hat weitere Verteidigungsideen, die alle zum Scheitern verurteilt sind. Das Turmopfer 26…Tb3xb2 darf Weiß nicht direkt annehmen, da nach 27.De2xb2?? e6xd5 28.Tf1-f8+ (andere Züge helfen auch nicht) Kg8-h7 29.h4-h5 Dg3-e1+ Dauerschach folgt. Zuerst den Springer mit 27.Sd5-e7+ Kg8-h7 sichern und dann auf b2 nehmen: 28.De2xb2 Dg3xe3+ nun mit 29.Kg1-h2 beanworten um die Gabel und das folgende Dauerschach zu vermeiden.

29.Kg1-h2
26...Se4-f6

26…Se4-f6 sieht am logischsten aus aus: Die f-Linie wird blockiert, die beiden Springer hängen und nach 27.Sd5-e7+ fesselt Kg8-f7 die Springer aneinander. Es droht außerdem immer noch c4-c3. Nur 27.Tf1-f3 hält den Vorteil fest: Vertreibung der Dame und Deckung von e3! Nach einem Damenrückzug verschafft sich Weiß mittels 28.Sd5xf6+ g7xf6 29.Txf6 endgültig Zutritt, 27…Dg3xg6 wird wieder mit 28.Sd5-e7+ bestraft. Für die Variante nach 27…c3-c4 benötigt Weiß wieder einen kühlen Kopf: 28.Sd5xf6+ g7xf6 29.De2-d1! Turm und Dame hängen – aber Schwarz hat noch einen letzten Pfeil im Köcher: 29…Lb5-e2. Weiß nimmt natürlich nicht den Turm – danach muss er um das Remis kämpfen. 30.Dd1xe2 Dg3xg6 31.b2xc3 und Weiß hat ein gewonnenes Endspiel mit zwei Mehrbauern. Puh!

31.b2xc3

Schwarz hat einige Verteidigungsressourcen, die widerlegt werden müssen. Abschließend sei gesagt, dass auch 26.Sg6-e7+ für Weiß gewinnt – aus meiner Sicht ein gutes Stück schwieriger zu berechnen und nicht mit dem klaren Mattbild als Ziel vor Augen. Für mich ein tolles Beispiel dafür, wie wir Denkprozesse gestalten und Züge finden können, wenn wir bestimmte Muster – hier das Mattbild – abgespeichert haben. Auch diese Muster können wir einüben.

 

Zu diesem seltenen Mattbild mit Springer, Turm und Bauer, das dem arabischen Matt ähnelt, gibt es noch weitere Aufgaben zum Lösen. Finde jeweils den besten Zug!

1 Weiß am Zug
2 Weiß am Zug
3 Schwarz am Zug
4 Schwarz am Zug
5 Weiß am Zug
6 Weiß am Zug

Lösungen:

1 Wessendorf – Galluschke 1-0 (GER 2017)
1.Tc2-c8+ Kg8-h7 2.Sd7-f8+ Kh7-h8 3.Sf8-g6+ Kh8-h7 4.Th1-h8# Weiß kann natürlich auch auf andere Arten gewinnen.

2 Nityata – Nandhini 1-0 (IND 2019)
1.Tc1-c8+ Kg8-h7 2.Sd7-f8+ 1-0

3 Jouni – Pyhala 0-1 (FIN 1997)
1…De2-e1+ 2.Ta1xe1?? (Weiß hätte das Remis nehmen müssen: 2.Kg1-h2 Sd2-f1+ 3.Kh2-h1 Sf1-g3+ 4.Kh1-h2 =) Te8xc1+ 3.Kg1-h2 Sd2-f1+ 4.Kh2-g1 Sf1-g3+ 5.Kg1-h2 Te1-h1#

4 Schandorff – Andersen 1-0 (DEN 2012)
1.Tc1xc2! (Ablenkung – nimmt Schwarz nicht zurück, ist er auch verloren) Te2xc2 2.Sd5-e7+ Kc8-b8 3.Td6-d8+ Kb8-a7 4.Se7-c8+ Ka7-b8 5.Sc8-b6+ Kb8-a7 6.Td8-a8#

5 Reinert – Nielsen 1-0 (DEN 1978)
1.Te7-e8+ Kg8-h7 2.Se6-f8+ Kh7-g8 (2…Tf7xf8 3.Te8xf8 +-) 3.Sf8-g6 Kg8-h7 4.h4-h5! 1-0

6 Kovalev – Ankerst 1-0 (GER 1992)
1.Tf1-f8+ Kg8-h7 2.h4-h5 Td7-d8 3.b4-b5! 1-0

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