Weltrekord: 15 Pfälzer sind nicht genug!

Bereits am Samstag fanden trotz der ungünstigen Lage auf dem Rheinland-Pfalz-Tag und der schweißtreibenden Temperaturen viele Besucher den Weg in die Markwardanlage nach Annweiler. Der Pfälzische Schachbund in persona Vizepräsident Roland Dübon, der die Veranstaltung ausgezeichnet organisiert hatte, bot zahlreiche Mitmachangebote. Kinder, die noch nie Schach gespielt haben, bekamen die Regeln erklärt und konnten im Anschluss an einem Wettbewerb teilnehmen, bei dem kleine Schachrätsel zu lösen waren. Das aufgebaute Gartenschach war fast durchgehend besetzt und brachte auch einige Erwachsene zu der Feststellung, dass ihr Schachspiel gar nicht so eingerostet ist wie sie dachten. Es wurde auch fleißig Bullet und Blitz gespielt, was neben einigen Kiebizen auch ein paar Hobbyfotografen für ein actiongeladenes Motiv anlockte.

Das Gartenschach in der Markwardanlage wartet hier noch auf seine später zahlreichen Bespieler.

Für den Sonntag hatte sich der PSB etwas ganz besonderes ausgedacht: Der schwäbische FIDE-Meister Marc Lang trat gegen fünfzehn Pfälzische Schachspieler an um seinen Weltrekord im Blindsimultan-Schnellschach um ein Brett zu verbessern. Im Jahr 2016 stellte er in Laichingen mit vierzehn Gegnern einen neuen Rekord auf. Dort gelangen ihm acht Siege und fünf Remis, bei nur einer Niederlage. Diese Bestmarke wollte Lang nun auf dem Rheinland-Pfalz-Tag nach oben schrauben.

Während die Pfälzer Herausforderer besten Blick auf ihre Figuren hatten, saß Lang abgeschottet vor einem Bildschirm, auf dem er fünfzehn leere Schachbretter mit dem Namen seiner Gegner sah. Darauf wurde ihm der letzte Zug seines Kontrahenten angezeigt. Er selbst rief seinen Zug sowie das entsprechende Brett in die Runde und seine Helfer zogen am Brett und drückten die Uhr.

Hinter der Trennwand nahm Marc Lang während des Simultans Platz. Auf dem Bildschirm konnten die Zuschauer sehen, was auf seinem Bildschirm passiert.

Wir Grumbeerschacher wollten uns das natürlich auch nicht entgehen lassen und während sich Hannes nur als Zugüberbringer beteiligen durfte, hatte Max die Ehre den ersten Zug des Weltrekordhalters entgegen zu nehmen. Lang war es wichtig den ersten Zug – sofern er die weißen Figuren führte – am Brett zu machen und jeden seiner Gegner persönlich zu begrüßen. Danach verschwand er hinter seiner Trennwand.

Die Pfälzer starteten mit jeweils 20 Minuten Bedenkzeit in das Simultan, bei einem Inkrement von fünf Sekunden pro Zug. Langs Bedenkzeit betrug 225 Minuten mit 30 Sekunden Inkrement. Es dauerte über 1,5 Stunden bis die erste Partie entschieden wurde: An Brett 12 war das Blättchen gefallen. Trotz des Inkrements erging es noch mindestens fünf anderen Spielern so. Bei Temperaturen bis zu 38°C war es auch für die Teilnehmer schwierig die Konzentration hoch zu halten. Und sie hatten auch einen Gegner, der sie gehörig unter Druck setzte.

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In der Folge sammelte Marc Lang die nächsten Punkte ein. Es fielen einige Blättchen, doch keiner wurde über die Zeit gehoben; er hatte überall einen schönen Vorteil herausspielen können. Johannes Fell aus Neustadt holte sich bis dato als einziger ein Remis. Und auch von Anspannung keine Spur bei Marc Lang: Nach dem Handschlag mit den unterlegenen Gegnern gab es vom FIDE-Meister noch eine kurze Einschätzung der Partie und die ein oder andere Variante wurde präsentiert. Besonders der jüngste Teilnehmer Jonas Kaufhold bekam ein Lob dafür, sich aus einer anfangs schwierigen Stellung stark zurück gekämpft zu haben. Auch wenn er am Ende mit zwei Minusbauern auf Zeit verlor.

Nach knapp drei Stunden brandete ein kurzer Applaus der Kiebitze auf: Mit dem achten Sieg hatte Marc Lang die nötige Punktzahl erreicht. Der Weltrekord war geschafft! Doch auch wenn für Lang nun die Kür anstand, blieb er unerbittlich.

Die folgenden vier Partien endeten alle mit einem Sieg für den Schwaben und nachdem er an Brett 15 Emrah Maloku matt gesetzt hatte, waren Ivar und Ilya Beck die letzten Überlebenden. Während die Zwillinge mit weniger als zwanzig Sekunden auf der Uhr angespannt auf Langs Züge warteten, analysierte dieser laut Varianten. Ein grob geschätzt neun Halbzüge langes Abspiel auf Ivars Brett konnte von den vielen Kiebitzen zwar kaum einer nachvollziehen, aber Lang kam zu dem Entschluss: „Sind zwar bestimmt jede Menge Löcher drin, aber hübsche Variante!“ Nachdem er sich in dieser Partie fast noch den Sieg hatte nehmen lassen, bewies Lang, dass er auch schwierige Endspiele blind beherrscht. Der dreizehnte Sieg für Lang und auch in der längste Partie des Tages gegen Ilya Beck behielt der alte und neue Weltrekordhalter die Oberhand:
Marc Lang – Pfälzer Meute 14,5:0,5! Johannes Fell blieb damit der einzige, der gegen den FIDE-Meister punkten konnte.

Im direkt an das Simultan anschließenden Interview mit dem SWR zeigte sich ein sichtlich geschaffter Marc Lang hochzufrieden mit seiner Leistung. Über den erfolgreichen Weltrekordversuch wird am Montagabend in der Landesschau (ab 18:45 Uhr) ein kleiner Beitrag zu sehen sein.

In der kommenden Woche werden wir hier die ein oder andere Partie zeigen beziehungsweise alle Weltrekord-Partien zum Nachspielen auf Lichess zur Verfügung stellen.

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